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Sonntag, 6. April 1986

About me

Es war ein lauer Apriltag im Jahre 1986. Ein Tag für die Ewigkeit. Zumindest für mich. Da in der Wikipedia nichts Bemerkenswertes zu diesem Datum zu finden ist, ändere ich das an dieser Stelle.

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, April 1986. Es war lau. In Bad Hersfeld, Hessen, trete ich am frühen Nachmittag mit großem Trara kerngesund auf die Bildfläche. Das Getue um meine Person ist überwältigend. Alle wollen sie mich mal halten, berühren, mit mir fotografiert werden. Verdammt, ich bin ein Popstar, noch ehe ich weiß was das überhaupt ist. Beispiel gefällig?

Ich bin noch kein Jahr am Start, da gewinne ich mit einem Luftballon meine ersten 50 Mäuse, Foto in der Zeitung und Interview mit meiner Managerin Mama inklusive. Dank meiner guten Verbindungen hat es den bunten Überflieger mit meiner Erkennungskarte am weitesten in die Welt hinausgetrieben.

Doch wie bei jedem Star endet der anfängliche Hype irgendwann. Mit zwei Jahren bin ich laut Aussage meines Agenten nicht mehr trendy genug. Sabberlatz und Gammeloutfit mitsamt der obligatorischen Hosenträger schaden meinem Image. Ich bin nur noch für die Familie interessant. Dafür bieten sie mir eine tägliche Bühne. Vom Kumpeltyp bis zur Diva habe ich das gesamte Repertoire drauf. Man liebt mich, man fürchtet mich. Und ich lerne schnell wie das Business so läuft.

Kleiner großer Sonnenschein

Denn wer erfolgreich sein will, der braucht Kontakte. Das Familiennetzwerk funktioniert prächtig, aber die schwierigsten Schritte sind die auf fremdem Terrain. Aber ich bin ja kein Kind von Traurigkeit. Im Gegenteil, mir scheint die Sonne quasi aus dem Allerwertesten. Mich im Kindergarten dann in die Sonnengruppe zu stecken war die logische Konsequenz. Und mit meinem gewinnenden Lächeln und einer kaum zu widerstehenden Ausstrahlung, beides hilft mir mein ganzes Leben lang, hatte ich sehr schnell mehr Freunde als Bauklötze.

Ein paar ausgefallene Milchzähne später war ich fast schon so etwas wie der Pate des Kindergartens, der Ravioli-Don des Mittagsschläfchens. Dummerweise bekam mir die Kombination Happa-Happa/Heia meiner Meinung nach nicht besonders gut. Die ersten Anzeichen eines Wohlstandsbäuchleins in so jungem Alter mussten bekämpft werden.

Was folgte waren zehn Jahre Vereinsfußball bei ein und demselben Verein. Ja, Loyalität und Treue wurde bei mir schon lange vor dem Bosman-Urteil und horrenden Ablösesummen groß geschrieben. Als Abwehr-Stratege mit Abneigung gegen das Grätschen war ich der Turm in der Schlacht, Mann für die Standards und Weitschüsse und ein weitaus besserer Hallen- da Freiluftkicker, kann ich doch heute noch mit ekstatischem Ballgefühl glänzen. Da ich allerdings auch früh erkannte, dass Unmengen Nutella dennoch keinen besseren Spieler aus mir machten und somit die Millionenangebote aus München ausbleiben würden, begrub ich meine Pläne auf eine Fußballerkarriere und hing neben der Kapitänsbinde auch die Stollenschuhe an den Nagel. Fünf mehr oder minder erfolgreiche, dafür verletzungsgeplagte Jahre Basketball folgten und gaben mir den verlorengeglaubten Spaß am (Mannschafts-)Sport wieder.

Mein Kapital für die Zukunft sah ich sowieso schon lange vorher nie in meinen Beinen, sondern in meinem Oberstübchen. Wie sonst lässt sich mein Riecher erklären, schon zwei Jahre vor Steven Spielberg auf Dinosaurier abgefahren zu sein? Meine Güte, hätte ich schon Drehbücher schreiben können in dem Alter, ich hätte heute keine finanziellen Nöte mehr. Sei´s drum. Die Schulbank zu drücken war ja keine schlechte Alternative.

Schule - langweilig, aber doch irgendwie nett

Denn dem Kindergarten folgten die Grundschule und die Klassen fünf bis zehn. Wie deprimierend es doch war nach der langen Zeit als Junior-Boss in der ersten Klasse wieder bei Null anfangen zu müssen. Ansehen, Streetcredibility, Respekt. Alles war fort. Ab jetzt zählte Grips noch mehr als vorher schon.

Zum Glück hatte ich relativ schnell relativ viel davon ansammeln können. Sachkunde, Mathematik, Deutsch, Sport. Ich rockte das Klassenzimmer mit der schönsten linken Schreibe von allen und unstillbarem Wissensdurst, in der Turnhalle konnte ich alles außer Geräteturnen. Braucht ja eh kein Mensch. Also ich auf jeden Fall nicht. Für das Anzeigen meiner Noten brauchte ich bis zum Wechsel in die fünfte Klasse nicht mehr als zwei Finger.

Nun wurde es schon schwieriger. Neues Konkurrenzfeld aus Freunden und anderen Gestalten, wieder der Kleine unter den ganzen anderen. Okay, klein war ich nicht mehr. Schon seit dem Kindergarten war ich immer der größte Bub von allen. Ich hatte nun mehr zu kämpfen als vorher, konnte aber noch oben mitschwimmen.

Das ging lange gut, ehe ich mich dummerweise nach und nach eher auf mein Talent, denn auf ausreichendes Lernen verlies. Die schwierige Phase namens Pubertät tat ihr übriges. Die Rechnung kam prompt in der achten Klasse. Mathematik und Latein waren ein gemeiner One-Two-Punch, die mir den technischen K.O. einbrachten.

Eine Strafrunde war die Folge, aber es tat mir gut. Mit frischem Geist und besserer Laune als zuvor lief es nun wieder besser, wenn auch nicht überragend. Die neunte Klasse ertrug ich noch den harten Leistungsdruck des Gymnasialzweiges, dann entschied ich mich zu Gunsten meines Abschlusses für ein Downgrade auf Real. Wahrscheinlich eine meiner besten Entscheidungen während meiner schulischen Laufbahn.

Ohne Leistungsdruck war ich nicht mehr der Mario Basler der Noten (immer chaotisch, teilweise aber mit grandiosen Geistesblitzen), sondern ein Mehmet Scholl (fast immer mit grandiosen Geistesblitzen, dafür aber teilweise chaotisch). Mathe? Nun ein Klacks. Englisch? Very lovely. Deutsch? Meine schlechteste Note war in den sechs Arbeiten eine 2+.
Mit minimalem Aufwand gelangen mir blendende Ergebnisse, was auch meinem Ego wieder Aufwind verlieh. Gerade rechtzeitig, stand nach dem mehr als überzeugenden Abschluss die nächste Herausforderung vor der Tür.

Wie schön Schule doch sein kann und was folgte

Mit der Eröffnung eines komplett neuen Gestaltungszweiges im Jahr 2002 gab es in meiner unmittelbaren Nähe nun eine Chance meiner Kreativität jene Freiheiten zu geben, die man in Fulda nicht wollte. Dass zwei meiner ehemaligen Klassenkameradinnen ebenfalls dort anfingen, erleichterte den Start ungemein. Die folgenden zwei Jahre waren die schönsten Jahre Schule, die man sich nur vorstellen konnte. Einen festen Stundenplan vor Augen, zur Ausfüllung der Stunden aber fast gänzlich mit freier Hand ausgestattet, war die Zeit meines Fachabiturs eine einzige große Spielwiese zum Austoben. Ohne meine Abneigung gegen Physik wäre ein Einser-Schnitt drin gewesen. So blieb ich halt nur bester meines 86er-Jahrgangs.

Doch auf jeden Sonnenschein folgt Regen. Meine Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule in Kassel brachte nicht das gewünschte Resultat. Drei Stimmen gegen, keine für mich. Tat aber, was mich am meisten überraschte, nicht so weh wie erwartet. Im Grunde war es mir sogar herzlich egal. Vielleicht wusste ich schon, dass da etwas Besseres auf mich warten würde.

Über meine Kontakte als Leiter der Basketballabteilung meines Heimatvereins (ich blühte in dieser Arbeit regelrecht auf), kam ich wenige Monate später zur Grundlage meines Studiums. In der Presse- und PR-Stelle eines Frankfurter Basketball-Bundesligisten fand ich die Erfüllung meiner Wünsche. Basketball, Schreiben, Imagearbeit. Perfekt.

Ich studiere Online-Journalismus. ... Ja, davon kann man leben...

Was folgte war meine eine, einzige Bewerbung für ein Studium. Die Hochschule Darmstadt, Studiengang Online-Journalismus. Die Vorgaben erfüllte ich alle. Ich hatte hoch gepokert. Eine Alternative hatte ich nicht. Ich wurde angenommen. Mit dem Auszug von zu Hause, hinein in das Leben als Student, begann ein neuer Lebensabschnitt mit neuen Weggefährten, in welchem ich nun voll und ganz stecke.

Die ersten zweieinhalb Jahre des Grundstudiums liefen fast wie am Schnürchen. Semesterprojekte wie Vorlesungen haben mir ungemein viele interessante Einblicke in meine berufliche Zukunft gegeben, mir aber auch gezeigt, was ich alles kann, wenn es sein muss und ich will. Ebenso habe ich gelernt, wo ich noch Schwächen habe und wie ich diese ausbessern kann, ohne meine Asse im Ärmel zu vergessen.

Nun, mit der Wahl meines Studienschwerpunkt Online-PR, habe ich die für mich absolut richtige Entscheidung getroffen und kann mich noch mehr als bisher einbringen, ja sogar teilweise unverzichtbar machen. Wenn ich allerdings bedenke, wie bald mein Studium schon beendet sein wird, bleibt auch ein wenig Wehmut übrig. Die Zeit verfliegt einfach nur so...

Nichts desto trotz bin ich mit dem Hier und Jetzt glücklich, trotz und gerade wegen aller Ups and Downs.

Kommentare:

  1. wieso um alles in der welt bist du denn dann aber nach dieburg gezogen???

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  2. und: was für tiere müssen denn gesittet werden?

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  3. @curlysa:
    Erstens: weil ich keine Lust auf ständiges Pendeln hatte und Dieburg mich irgendwie an Bad Hersfeld erinnert.

    Zweitens: die beiden Kaninchen meiner Freundin, die ich hier erwähnt hatte
    http://danyo-is-an-oj.blogspot.com/2008/12/hasenhotel-auf-zeit.html
    Aber wir fragen nur eher profilaktisch, da wir momentan überlegen, ob die beiden jetzt für immer bei uns bleiben sollen und nicht nur zu Besuch ;)

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    ich schau etz öfters hier vorbei! :-)
    grüßle

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    Sonnige Grüße
    Alex

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