Seiten

Freitag, 31. Oktober 2008

Wut und Zorn

[Der folgende Text ist schon ein gutes Jahr alt, aber ich habe ihn eben erst wiedergefunden. Also keine Sorge, mir geht´s gut]


Ich habe in der letzten Zeit eine Entdeckung gemacht. Eigentlich ist das so gesehen nichts Neues, weil das ja laufend geschieht. Um ehrlich zu sein ist es nicht einmal eine Entdeckung der letzten Zeit. Ich habe das wahrscheinlich schon vor Monaten, wenn nicht gar Jahren realisiert, aber ich merke an mir selber, dass es so langsam an der Zeit wird mir das Ganze von der Seele zu schreiben. Ich spreche von diesem unbändigen, grenzenlosen und doch ganz tief in jedem von uns schlummernden Zorn auf alles und jeden.

Auf die Penner, die den Verschluss von Flaschen so fest draufsetzen, dass man sich die Hände beim Öffnen fast aufreißt, auf die idiotischen Parteien, die jeden noch so kleinen geraden Fleck mit ihren Wahlplakaten tapezieren und damit die Landschaft verschandeln, auf die Politiker allesamt, die ja nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind und das Land angeblich gegen die Wand fahren, auf genau die Deppen, die nur darüber meckern, es aber nicht besser machen können und wollen, auf den Trottel vor einem, der zu langsam fährt, zu langsam an der Kasse einräumt, sich an der Theke nicht entscheiden kann was er will, auf diesen schmierigen Typen in seinem Sportwagen mit seinem saudummen Grinsen, auf die Oma, die einem in der Stadt andauernd vor den Füßen herläuft, gerade wenn man es am eiligsten hat… ich könnte noch stundenlang so weitermachen und würde kein Ende finden können, weil alles und jeder ein Anlass für diese Wut sein kann.

Ich selbst kenne dieses Gefühl nur zu gut. Jetzt, gerade in diesem Augenblick, bin ich auch ziemlich zornig und wütend. Und das schlimme ist: ich weiß verdammt noch mal nicht einmal warum! Ich bin einfach nur zornig und das ohne jeglichen Grund!

Im Studium läuft alles ohne Probleme, ich habe Spaß daran und freue mich auf die noch kommenden Aufgaben. Ich habe mich die letzten Tage mit meinen Freunden getroffen, mit meiner Familie, mit guten Bekannten geredet und mich jedes Mal wirklich gut amüsiert. Ich könnte glücklicher nicht sein. Nichts desto trotz bin ich es nicht so wirklich. Wenn ich in mich hineinhorche, dann fällt mir nichts ein, was mich verärgert haben könnte. Ich hatte keinen Streit, ich bin nicht krank, ich habe keinen Ärger am Campus oder mit Freunden und ich habe auch kein Suchtproblem mit welchem ich mich aus der Affäre ziehen könnte. Es ist einfach nur Wut.

Und ich frage mich: warum ist das so? Ich habe absolut keinen Nutzen daran. Zumindest keinen ersichtlichen.

In Nick Hornby´s „How to be good“ geht es einer der Hauptfiguren ähnlich. Sie ist einfach nur zornig, ohne jeglichen ersichtlichen Anlass und wird dann, nach einer Begegnung mit einer Art „spirituellem Heiler“ ein von Grund auf anderer Mensch – merkwürdig und übertrieben sozial, aber nicht mehr zornig.

Ich habe diesen „Heiler“ nicht, aber mein Leben ist ja auch keine Geschichte in einem Buch. Falls doch, dann eine wie ich finde nett ausstaffierte die es gut mit mir meint, deren Happy End noch auf sich warten lässt. Da wäre es wieder: das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint… Naja. Wenn ich meine Wut und meinen Zorn analysieren müsste, ich würde es als temporäre Phase abtun, mir selber ein Päckchen Ritalin oder Xanax verschreiben und mit den Partysmarties einfach weiterleben. Aber das erklärt mir trotzdem nicht woher diese Wut kommt.

Jetzt, so kurz nachdem ich mit dem Schreiben dieser Zeilen angefangen habe, verschwindet der Zorn wieder. Genauso schnell, wie er vor wenigen Momenten aufgetaucht ist. Hinterlassen hat er ein Gefühl der Bedrücktheit. Ungefähr so, wie wenn man einem Menschen den man gern hat eine unangenehme Wahrheit sagen musste, ihn aufs Gröbste belogen oder sonst wie zutiefst verletzt hat. Ein Bedauern, es nicht anders gemacht zu haben. Eine Chance auf Wiedergutmachung verspielt und keine zweite verdient zu haben. Ich fühle mich einfach nur schlecht. Mann, ist das scheiße…

Kommentare:

  1. Erst hörte es sich an, als hättest du deinen kleinen Misantrophen in dir gefunden. Doch dann dachte ich an Depressionen und Selbstfindungsstörungen.

    Ich schlage Kehlkopfgesang vor, solange bis du eine Epiphanie hast. Die wird dir sicher helfen ^^
    (Der Tipp stammt von Homer J. Simpson.)

    AntwortenLöschen
  2. Depris und Selbstfindungsstörungen habe ich Gott sei Dank nicht/ nicht mehr/ nie gehabt. Die Misanthropen-Nummer hätte mir ganz gut gefallen, wäre doch so schön Dr. House-like gewesen. War´s aber auch nicht. Einfach nur mal Brast im Bauch gehabt... Muss auch mal sein ;)

    AntwortenLöschen