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Freitag, 21. Mai 2010

Iron Man II

Die Story: "Ich bin Iron Man". Mit diesem Satz stellte Tony Stark (Robert Downey Jr.) am Ende des ersten Teils die Welt auf den Kopf. Sechs Monate später. Das Palladium, das den Mini-Reaktor in des Helden Brust am laufen und ihn somit am leben hält, vergiftet Stark Stück für Stück. Seinen Vertrauten Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) und Lt. Col. James "Rhodey" Rhodes (Don Cheadle) sagt der extrovertierte Dickkopf dennoch nichts darüber, schließlich sucht er eigenständig nach einer Lösung dieses Problems. Ebenso wenig ist er bereit seine Iron Man-Rüstung an das Militär abzutreten, das ihn als freien Mann mit derlei Feuerkraft für eine Bedrohung der öffentlichen Sicherheit hält. Dabei kommt die eigentliche Bedrohung in Form von Rüstungsmagnaten Justin Hammer (Sam Rockwell) und dem auf Rache sinnenden Ivan Vanko (Mickey Rourke) doch aus einer ganz anderen Richtung ...

Okay, ich warne euch hiermit ganz offiziell: (mittel-)schwerer SPOILER AHEAD! Wer noch nicht im Film war und dies vor hat, soll sich später nicht bei mir beschweren, ich hätte Würze rausgenommen, capisce?

"Iron Man II" ist in der Erwartung das, was der Titel eigentlich schon sagt: die Fortsetzung einer Comicverfilmung, die mit Teil eins schon einmal so richtig abgecasht hat. Die Krux von zweiten Teilen: im mittlerweile üblichen Dreierfilmpack sind sie die bemitleidenswerte Mitte, die zwischen grandiosem Kickstart und Finale Grande irgendwie den Spannungsbogen hoch halten müssen. Aber nicht so hoch, als das Teil drei nicht mehr noch einen drauf setzen könnte. Nur geht das in zwei von drei Fällen so gut wie immer in die Hose (ich werfe die "Matrix"- und "Fluch der Karibik"-Filme als Beispiele in die Runde).

Es kommt also, was vermeintlich kommen muss. Man bringt ganz viel von den Highlights des ersten Teils, anstatt den Faden weiter zu spinnen und eine Geschichte zu erzählen. Doch genau das tut "Iron Man II" nicht. Zumindest nicht ganz. So konsequent wie in diesem Fall werden Stories nämlich selten weitergestrickt.

Der Film setzt ziemlich genau am Ende vom ersten Teil ein, ergo schließt man Robert Downey Jr. in seiner Rolle als Arschloch zum Gernhaben schnell wieder in sein Herz. Eben, weil er als Tony Stark der Gute ist, der es sich leisten kann den charmanten Drecksack zu geben. Und obendrein hat er im Gegensatz zu Spider-Man und Batman keine hausgemachten Probleme mit seinem Gewissen, indem er sich den Kopf ob seiner Verantwortung zerbricht, nein, er hat nichts weiter als einen Mini-Reaktor in seiner Brust, der ihn trotz der lebenserhaltenden Maßnahme langsam tötet. Ergänzend gibt man den einzelnen Nebencharakteren allen noch etwas Zucker, um den Spin zu erhöhen, und dann geht die Party los, ohne gleich das ganz große Fass aufzumachen.

Man nimmt sich also die Zeit Hintergründe zu durchleuchten und Nebenstränge auszubauen. Auf der einen Seite ist das toll, weil es den Figuren irgendwo mehr Tiefe gibt, auf der anderen Seite führt es mit der immer wieder angeteaserten "Rächer-Initiative" in Richtung Superriesencomicverfilmungsding*, das nur noch absolute Comicnerds und -liebhaber im Kinosessel zu sabbern anfangen lässt. Doch zurück zum Film.

In diesem Aufmachen von vielen kleineren bis größeren Schauplätzen verfängt sich die Story immer wieder wie eine Marionette mit zittrigem Puppenspieler obendran in den eigenen Handlungssträngen, die mit einem großem KRAWUMM einfach in Schutt und Asche gelegt werden, damit es weitergehen kann. Typischer Fall des "zweiter Teil"-Syndroms.

So finde ich die Art und Weise, wie sich Tony Stark von der im ersten Teil noch so bezeichnenden Mensch-Maschine-Abhängigkeit entledigt, einfach vollkommen daneben. Im griechischen Theater löste man komplizierte Szenen, bei denen man als Regisseur keine Ahnung hatte, wie man diese Handlungs- und Denkfehler lösen könnte, mit dem "deus ex machina", dem Gott aus der Sache (die Maschinen-Übersetzung ist so nämlich nicht wirklich korrekt, aber lassen wir das ...), der sämtliche Probleme in Wohlgefallen verwandelte. Und nichts anderes ist die Lösung des Palladium- bzw. Mini-Reaktoren-Problems durch die Kiste voller Hinweise des verstorbenen Vaters, die Tony durch S.H.I.E.L.D in Person von Nick Fury (Samuel L. Jackson) vor die Nase gesetzt bekommt.

Ein weiteres KRAWUMM sind schließlich die Kampfsequenzen. So ist der Fight zwischen Stark als "Iron Man" und "Rhodey" als "WarMachine" in Tonys Villa absolut lieblos und dient nur zum Überbrücken einer weiteren Länge (welch Ironie). Einziger Pluspunkt der Klopperei: Regisseur Jon Favreau beweist Humor, indem er "Robot Rock" von Daft Punk drunterlegt. Ebenso unsäglich: Die Art, wie Mickey Rourke als "Whiplash" schließlich im Finale abgesägt wird ist auch eher meeh, aber dazwischen macht es trotz allem dann doch irgendwie Spaß zuzusehen.

Im Gesamtfazit kann ich nur sagen, dass "Iron Man II" nicht in der Form kickt, wie man es bei einem so starken ersten Teil erwartet hätte (ich vertrete ja nach wie vor die Meinung, dass "Iron Man" trotz "The Dark Knight" im Jahr 2008 die beste Comicverfilmung des Jahres war), aber so schlecht, wie es vielleicht hier jetzt klingen mag, ist er auch nicht.


Direktironman2

Ach, Halt! Einen hab' ich noch (aber das ist im Grunde auch nur was für die absoluten Comicnerds und Marvel-Liebhaber): Wenn ihr schon den Überlängenaufschlag bezahlen müsst, dann bleibt bis zum Ende des Abspanns sitzen. Da kommt noch ein ehrlich gesagt relativ unspektakuläres 20 Sekunden-Häppchen, das die nächste Marvel-Verfilmung ankündigt. (Alle normalen Kinogänger müssen sich die fünf, sechs Minuten Extrawartezeit nicht wirklich antun)

* Ganz ehrlich, sollte es überhaupt zu einem "The Avengers"-Film kommen, dann wette ich hier und jetzt fünf Euro, dass das Ding entweder komplett CGI-animiert sein wird, weil kein Studio der Welt die Gagen für die bislang regulären Darsteller von Iron Man (Downey Jr.), Hulk (Edward Norton), Captain America (Chris Evans), Spider-Man (Tobey Maguire), Wolverine (Hugh Jackman) und Co. hinblättern dürfte, oder aber es dauert so lange bis zur Produktion, dass sämtliche Rollen so oder so neugecastet werden müssen und die Idee ebenfalls so gut wie in der Tonne landet.

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