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Mittwoch, 17. März 2010

Männer, die auf Ziege starren

Die Story: Robert "Bob" Wilton (Ewan McGregor) ist das, was 99 Prozent aller Journalisten im Film zu sein scheinen: ziemlich erfolglos. Als ihn schließlich auch noch seine Frau verlässt, beschließt er als Kriegsberichterstatter in den Irak zu ziehen und endlich seiner Berufung nachzukommen, indem er den Menschen die Welt zeigen möchte, wie sie wirklich ist. Dumm nur, dass er wochenlang in Kuwait festhängt, da es an einer Einreisegenehmigung mangelt. Just in dieser Prämisse trifft er Lyn Cassidy (George Clooney), über den er bei früheren Recherchen einmal hörte, dass er Teil einer geheimen parapsychologischen Militäreinheit gewesen sei. Ein Jedi-Krieger, der durch reine Gedankenkraft Ziegen töten, durch Wände gehen und Dinge fernwahrnehmen könne.

Und während sich Wilton an Cassidys Fersen hängt und ihn auf seiner Mission begleitet, erzählt dieser ihm seine Geschichte um Ausbilder Bill Django (Jeff Bridges), die New Earth Army und seinen Konkurrenten Larry Hooper (Kevin Spacey), der die Idylle der Flower Power-Kämpfer in den 1980ern zerstörte...

Müsste ich "Männer, die auf Ziegen starren" in einem Wort beschreiben, wäre es wohl "kurzweilig". Die Story, die irgendwo auch auf wahren Begebenheiten beruht, ist so dermaßen ab vom Schuss, dass man im ersten Moment nur ein großes "WTF!?" im Kopf zu haben glaubt. Parapsychologische Kämpfer, die kämpfen, indem sie nicht kämpfen!? Jedi-Krieger, die im Auftrag der Regierung die Denkmuster ihrer Feinde unterbrechen sollen!? In jedem anderen Zeitraum wäre das totaler Bockmist (höhö, ein Ziegenwitz bei dem Titel, höhö), aber mit dem Setting der Ausbildung in der letzten Hochphase der kalten Krieges passt es. Bestes Beispiel dafür ist der Dialog zweier hochrangiger Militärs zwecks Legitimation der Jedi-Ausbildung:

"Wir machen keine parapsychologischen Versuche!" - "Ja, aber das ist, was die Russen glauben." - "Wieso?" - "Eine Falschmeldung der Franzosen, die besagt, wir hätten telepatischen Kontakt zum Unterseeboot Nautilus aufgenommen, als es das Polareis unterquerte." - "Aber wir haben nie Kontakt aufgenommen." - "Korrekt. Aber da die Russen unser Dementi der Falschmeldung für eine Falschmeldung halten, haben sie die parapsychologischen Versuche aufgenommen." - "Also machen die Russen parapsychologische Versuche, weil sie denken, dass wir parapsychologische Versuche machen würden?" - "Ja." - "Das ist doch Wahnsinn." - "Vielleicht, aber wir können es uns nicht leisten den Russen dieses Feld wiederstandslos zu überlassen!" - "Tun sie es!"

Es sind Momente wie diese, die dem Film einen ganz besonderen Charme und Lacher verleihen. Ebenso die Episoden über die Ausbildungsmethoden von Colonel Django, die kaum noch mehr Hippietum vertragen hätten.
Doch genau das ist auch gleichzeitig die Schwäche des Films von Grant Heslov, der bislang auch eher als Nebendarsteller in Serien und Skriptschreiber (u.a. "Good Night and Good Luck") in Erscheinung getreten ist. Er besteht aus vielen lustigen Episoden und Rückblenden, die als Ganzes allerdings nur ab und an in der Form zusammenpassen, dass es flüssig daherkommt. Ganz besonders in Schlingern gerät die Geschichte, wenn moralgetränkte Szenen über die Schrecken des Krieges eingebunden werden sollen. Ja, Krieg ist alles andere als lustig, aber in diesem Fall legt sich in diesen paar Minuten immer wieder eine bleierne Schwere über die eigentlich so heitere, lockere Story, die so gar nicht passen mag.

Clooney und McGregor geben als Hauptcharaktere ein durchaus lustiges Gespann ab, aber so hapert es - ähnlich der Story - teilweise an der Chemie zwischen den beiden. Im Gegenzug kommen die Rollen von Spacey, der endlich mal ein bisschen den Badass geben darf, und Bridges zu kurz, obwohl beide so herrlich knapp und mit Bravour an der kompletten Karikatur ihres eigenen Parts entlang schrammen.


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Kleines Plus am Ende: der Soundtrack ist wunderbar abgestimmt und man lernt u.a. "More Than A Feeling" von Boston wieder richtig lieb zu haben.

Kommentare:

  1. Deine Filmkritik macht mich jetzt neugierig, den Film zu sehen.

    Lg,SSL

    Ich hatte "More than a feeling" immer lieb. :-)

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  2. @schrecklichschoenesleben: der Film macht auf jeden Fall Spaß, aber man sollte mit gemäßigten Erwartungen reingehen, im Sinne von "unterhalte mich, aber tu' mir nicht im Kopf weh"... ;-)

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