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Sonntag, 25. Mai 2008

Review zum "Media Monday"

Endlich komme ich zu meiner lange aufgeschobenen Review zum Vortrag vom 19. Mai. Sorry für die endlose Wartezeit...


Am vergangen Montag hieß es mal wieder „Media Monday“ am Campus Dieburg der Hochschule Darmstadt. In einer sehr spontan gehaltenen Mail wurde das eigentliche Thema – nämlich der geplante Vortrag von Dr. Salb zum bevorstehenden Relaunch der Website arte.tv – krankheitsbedingt neun Stunden vor Beginn der Veranstaltung abgesagt und durch einen neuen Gastredner ersetzt.

Dr. Carsten Könneker, Chefredakteur bei epoc und Gehirn&Geist sowie Verlagsleiter bei Spektrum der Wissenschaft lud zum Kamingespräch ein, um über Blogs und ganz speziell über Wissenschaftblogs zu sprechen.

Gerade der Part mit dem „Kamingespräch“ wurde für bare Münze genommen, hatte Dr. Könneker im Vorfeld doch angekündigt, dass er auf Grund der kurzen Vorbereitungszeit keine feingliedrig ausformulierte Präsentation haben, sondern eher zu selbigen laden würde. Wie viel Humor die "Media Monday"-Organisatoren haben, bewies die auf einer zweiten Leinwand laufende Kaminfeuer-Dauerschleife. "Ob man damit die ein oder andere Folienkanonade unserer Dozenten ersetzen könnte?" wurde gefragt. Darauf gab es leider keine Antwort, aber dafür ging der Vortrag pünktlich um 17.45 Uhr los.

Der Vortragstitel „Blogging! Wer bloggt? Warum?“ war dabei wörtlicher gemeint als von mir angenommen. Es war nicht nur der Titel, es waren die Eröffnungsworte der Veranstaltung.

„Wer von ihnen konsumiert Blogs oder betreibt selber aktiv eins?“ lautet die erste Frage. Zwölf der 24 Hände gingen daraufhin in die Höhe (meine selbstverständlich auch) – eine Quote, von der ich in meinem Semester nur träumen kann. Es folgten die üblichen und altbekannte Antworten: weil jeder es kann, wenn er es will. Schließlich sind die Schranken für die Marktzulassung bei keinem anderen Medium so gering wie bei Blogs.

Was dann folgte war eine PowerPoint-Präsentation, für die mich meine Profs erschlagen würden, in seinem Fall aber der geringen Vorbereitungszeit geschuldet waren. Im Nachhinein betrachtet hatte seine „rudimentäre Präsentation“, wie Dr. Könneker es nannte sogar etwas Erfrischendes.

Allerdings war es nicht nur die Präsentation, sondern auch die Art und Weise, wie diese vorgetragen wurde. Im Grunde war es ein Musterbeispiel an Blog-Enthusiasmus, da Blogs nicht als einfache Möglichkeit zur Geschichtenerzählung angesehen wurden, sondern als effektive Kommunikationsplattform zur Außendarstellung.
Der Punkt „enthusiastischstes Medium zur Zeit“ auf seiner Folie umschrieb all das ganz genau. Natürlich berge jeder Blog die Gefahr dem Autoren als Bühne zur Selbstdarstellung zu dienen, aber dieses Risiko müsse man einkalkulieren.

Und als ob man vorher meinen Beitrag über Kommentararmut gelesen hätte, wurde auch dieses Thema angeschnitten. Gute Blogs zeichnen sich nicht nur durch ihre Authentizität und den Enthusiasmus aus, mit dem sie geführt werden, sondern auch durch ihre Diskussionsbereitschaft.

Diese hingegen ließe sich nur mit Posts generieren, wenn sie ernst gemeinte Aufrufe zum diskutieren und Austausch von Gedanken sind. Blogger wären im Moment wohl die Gruppe im Web 2.0, die einem Dialog mit ihrer Leserschaft am ehesten gegenüberstehen würden.

Ein paar Blog-Beispiele später (u.a. wurde auch Stefan Niggemeier kurz angerissen) kam dann die Kurve zu den angekündigten Wissenschaftsblogs. Die Metapher, dass Wissenschaftsblogs und ihre Betreiber ähnlich wie Sportinteressierte bei kicker.de immer „am Ball“ bleiben müssten, gefiel mir sehr gut.

„Wissenschaft hört in ihrer Entwicklung ja nicht einfach auf. Sie geht immer weiter. Und der interessierte Leser will dranbleiben. Vor dem Spiel, während des Spiels und danach auch noch.“

Um zum kicker der deutschen Wissenschaftsblogosphäre zu werden, gründete man 2006 nach Vorbild des ScienceBlogs aus dem Verlag des Seed Magazine den ersten deutschen „Ableger“: brainlogs.de. Es folgten kosmologs.de, chronologs.de und wissenslogs.de, die alle samt auf scilogs.de ein Zuhause gefunden haben.

Die besondere Stärke der Blogs an sich ist, dass die Wissenschaftler selber als Autoren aktiv werden und nicht nur für die Printmagazine des Verlags, sondern auch in den Blogs schreiben. So gilt bei kosmologs.de zum Beispiel die Regel „nur ein Blogger pro Blog“.

Um vom „nicht so tollen Design“ der aktuellen Hauptplattform scilogs.de „abzulenken“, wurde dem anwesenden Publikum schon jetzt das neue Design als Preview vorgeführt: schlank, zweispaltig, etwas dunkler gehalten als die aktuelle Version und mit einer Klappnavi für die vier Ableger ausgestattet, wirkt es im Ganzen magaziniger.

Für Könneker sind Blogs „Möglichkeiten des Zielgruppenmanagements ohne Beschränkungen“, da auch Themen außerhalb des Fachdiskurses angesprochen und von Interessierten gefunden werden können.

Wissenschaftliche Blogger seien mit dieser Möglichkeit einzigartige Informationen zu publizieren, die ansonsten in einem Printartikel keinen Platz finden würden, „Anwälte in eigener Sache“. Subjektive Eindrücke oder persönliche Erfahrungen könnten eingebunden werden, obwohl sie mit den Forschungsergebnissen an sich nichts zu tun hätten (als Beispiel nannte Könneker einen Forscher, der während einer Studie bei einem Probanden gravierende Gesundheitsschäden feststellte, die er ihm mitteilen wollte, ethisch aber damit zu kämpfen hatte, ob er als Forscher, der nun einmal kein Arzt ist, das Recht habe, ihm so etwas direkt mitzuteilen, anstatt ihm nur einen Gang zum Arzt zu empfehlen, der eventuell nicht erfolgt wäre – zur Beruhigung, es ist alles gut ausgegangen).

Schließlich wurde auch die Frage aufgeworfen, warum sich Verlage für Wissenschaftsblogs engagieren sollten. Wie aufs Stichwort zog Dr. Könneker dann eine Folie aus dem imaginären Zylinder, die diese Frage beantwortete: frühzeitige Autoren- und Leserbindung, Marketing, aber auch eine Verlängerung der Content-Verwertungskette und Crossmedialität waren dort vermerkt.

Man müsse manchmal auch einfach „relativ früh einen Fuß in der Tür haben“ und „dabei sein“, wenn sich etwas entwickelt. Nur dann hat man einen Vorsprung gegenüber den anderen. Für Wissenschaftler als einzelne Person sei ein Blog dann auch eben jene Selbstvermarktungsfläche, um auf sich aufmerksam machen zu können. Mit einem Blog hat man durchaus die Chance auf seinem Wissensgebiet „wichtiger“ zu werden als Kollegen ohne Blog. Wo sonst kann man sonst leichter Aufmerksamkeit erzeugen als im Internet mit einer eigenen Präsenz?

Wer das Streben und den Enthusiasmus hat sich und sein Thema der Öffentlichkeit näher bringen zu wollen, der habe mit einem Blog die besten Chancen das zu schaffen. Wie anfangs bereits erwähnt: weil jeder es kann, wenn er es will. Und so schließt sich der Kreis wieder.

Ich persönlich war von diesem „Media Monday“ sehr angetan, was nicht nur an den Gratispublikationen des Verlags im Wert von 40 Euro lag. Die Thematik wurde in einer sehr erfrischenden und enthusiastischen Art und Weise behandelt (und besser rübergebracht, als es dieser Beitrag hier wohl kann), wobei sich Basics und Spezielles zum Feld Wissenschaftsblogs die Waage hielten. Sollte es demnächst wieder ein für mich interessantes Thema geben, so wird man mich auf jeden Fall wieder im Publikum finden.

Kommentare:

  1. Schön, schön, ... ich wär auch gern dabei gewesen. Stattdessen sitz ich 800 Km weiter weg. :(

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  2. Nicht den Kopf hängen lassen. Nächstes Mal organisiere ich mir den Web-Schlüssel und blogge live mit - dann darfst du auch mal via Twitter, ICQ oder Comment reinrufen ;)
    Und wenn du ganz artig bist und ich endlich die Hardware dafür habe, wird via Webcam livegestreamt ^^

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